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Zita Küng

«Nicht wohin will ich, welche Position brauche ich, sondern was sind die interessanten Themen, wo braucht es mich».

Diese Aussage von Zita Küng bringt eine Haltung zum Ausdruck, die ihren Lebensweg und ihr gesellschaftliches Engagement wesentlich geprägt hat. Aufgewachsen als drittes Kind in einem Arbeiterhaushalt am Rand von Zürich, entwickelte sie früh den Wunsch, etwas zu bewegen. Obwohl in ihrer Familie niemand studiert hatte, war ihr Bildungsweg von Anfang an von Eigeninitiative geprägt. Ihre Erfahrungen in der Schule und die gesellschaftlichen Umbrüche der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre weckten in ihr das Interesse an politischen Fragen und insbesondere an der Stellung der Frauen in der Gesellschaft.

Zita Küngs beruflicher Werdegang verlief alles andere als geradlinig. Nach ihrer Ausbildung zur Primarlehrerin studierte sie Gesang am Konservatorium in Bern, bevor sie sich für ein Jurastudium entschied. Diese unterschiedlichen Stationen waren eng mit ihren Interessen und den jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen verbunden. Während die Musik ihr eine künstlerische Perspektive eröffnete, ermöglichte ihr die Juristerei, sich auch beruflich mit politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Im Zentrum ihres Denkens stand dabei stets die Frage, wo Ungerechtigkeit besteht und wie bestehende Verhältnisse verändert werden können. Ihr Zugang zum Recht geht nicht primär vom Recht selbst aus, sondern vom Empfinden, dass etwas ungerecht sei und sich ändern müsse.

Ein Schwerpunkt ihres Wirkens war der Kampf für die Selbstbestimmung und die Rechte der Frauen. Bereits in den 1970er-Jahren engagierte sie sich für eine Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs, für bessere Bedingungen rund um Mutterschaft und Kinderbetreuung sowie für eine grundlegende Veränderung gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse. Als Mitbegründerin und aktive Vertreterin feministischer Organisationen setzte sie sich dafür ein, dass die Anliegen von Frauen politisch sichtbar und rechtlich anerkannt wurden. Ihr Engagement führte sie unter anderem in den Zürcher Kantonsrat und später in das Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Zürich. Eine besondere Bedeutung hatte für sie der Schweizer Frauenstreik vom 14. Juni 1991, an dessen Organisation sie beteiligt war. Die breite Mobilisierung zeigte aus ihrer Sicht eindrücklich, dass Frauen nicht nur gesellschaftlich präsent sind, sondern mit ihren Anliegen ernst genommen werden müssen.

Auch in ihrer späteren Arbeit als feministische Juristin, Beraterin und Vermittlerin von Wissen blieb die kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Strukturen zentral. Mit ihrem Engagement für die feministische Rechtswissenschaft und für die Weitergabe feministischer Geschichte stellte sie immer wieder die Frage, ob rechtliche Regelungen den tatsächlichen Lebensrealitäten von Frauen gerecht werden. Dabei geht es ihr nicht allein darum, bestehende Ungleichheiten aufzuzeigen, sondern auch darum, alternative Lösungen zu entwickeln und gesellschaftliche Veränderungen anzustossen. Das Interview zeichnet das Porträt einer Frau, die unterschiedliche berufliche Wege mit konsequentem politischem Engagement verbunden hat. Zita Küngs Lebensgeschichte verdeutlicht, wie aus persönlichem Gerechtigkeitsempfinden, kritischer Reflexion und kollektiver Zusammenarbeit Impulse für gesellschaftlichen Wandel entstehen können. Ihre Überzeugung, dass eine friedliche und solidarische Gesellschaft die Perspektiven und das Wissen aller Menschen braucht, bildet dabei den roten Faden ihres Wirkens.